DIE „WAHREN“ KOSTEN EINER MISSLUNGENEN INTEGRATION

Die kurze Verweildauer von Führungskräften in Unternehmen ist ein Phänomen, das auf allen Unternehmensebenen erkennbar ist. Laut neuesten Umfragen ist die Verweildauer von CEOs von 8,1 auf 6,3 Jahre gesunken und 14,3 Prozent aller CEO-Positionen werden jährlich neu besetzt. Schon aufgrund der hohen Kosten einer Integration sollte auch in Europa ein Bewusstsein dafür erwachsen, daß dem Thema systematisches Onboarding ein hoher Stellenwert beigemessen werden muss.

HMP: Was bringt ein systematisches Onboarding-Programm für den neuen Stelleninhaber?

Kornelia Straub-Kuri: Der Antritt einer neuen Stelle und der Wechsel in eine neue Rolle sind eine extreme Stresssituation für Führungskräfte. Lediglich das Scheitern einer Ehe wird nach Umfrageergebnissen als „noch“ stressiger empfunden.

HMP: Was wird von neuen Führungskräften heute erwartet?

KSK: Von neuen Führungskräften wird erwartet, daß sie sich schnell und effektiv in die neue Organisation einarbeiten und eben so schnell positive Ergebnisse erzielen, die dem Vorgänger oder der Vorgängerin oftmals nicht gelungen sind. Dies erzeugt einen extremen Handlungsdruck. Diesem Druck sind viele der Führungskräfte nicht gewachsen.

HMP: Welche Auswirkungen hat dies auf die Organisation?

KSK: Wenn Sie bedenken, daß diese Führungskräfte das Unternehmen im Schnitt nach 18 Monaten wieder verlassen, der Breakeven der Kosten der Einarbeitungsphase jedoch frühestens nach einem halben Jahr erreicht ist und in dieser Zeit die Produktivität der Mitarbeiter rapide sinkt, sind das immense Schäden.

HMP: Was kostet ein misslungener Onboarding-Prozess?

KSK: Im mittleren Management hat ein Führungswechsel im Durchschnitt Einfluss auf etwa 12 Mitarbeiter, die ihre volle Leistungsfähigkeit nicht erbringen können. Das bedeutet zum Beispiel bei einem Bereichsleiter, der das Unternehmen nach 24 Monaten wieder verlässt, eine stolze Summe von 1,2 Millionen Euro im Durchschnitt. Wenn jetzt noch die Folgekosten einer misslungenen Integration hinzu gezählt werden, also für eine erneute Rekrutierung und Einarbeitung, kommen Kosten in durchschnittlicher Höhe von 2 Millionen Euro leicht zusammen.*

HMP: Was bringt ein systematisches Onboarding-Programm?

KSK: Im Ergebnis wird ein systematisches Onboarding-Programm die Motivation der neuen Führungskräfte erheblich steigern, den Breakeven der Einarbeitungskosten auf 3 Monate reduzieren, die langfristige Erfolgswahrscheinlichkeit und Verweildauer immens anheben und die Bindung der Führungskräfte an das Unternehmen stark erhöhen. Das Unternehmen wird als Arbeitgeber zu einer attraktiven Marke, was weitere Rekrutierungen vereinfacht und die Kosten hierfür deutlich senkt.

HMP: Frau Straub-Kuri, wir danken Ihnen für das Gespräch!

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Über HMP EXECUTIVE SEARCH

Kornelia Straub-Kuri ist geschäftsführende Gesellschafterin der HMP Executive Search. Neben der Besetzung von Fach- und Führungskräften bildet die auf die jeweilige Unternehmenskultur abgestimmte Besetzung von Schlüsselpositionen bei mittelständischen Unternehmen, auch im Kontext von Unternehmernachfolgen und Change-Situationen, einen ihrer Schwerpunkte.
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